Kontakt / Impressum   
Logo nordvier fussball

aktuelles Heft

Ausgabe 21Unsere November-Ausgabe 21 ist  erschienen!

"Glotze an, Stadion aus!" Wie ist der Stand bei der Initiative für vollere Stadien unterhalb der Profiligen?    » mehr

Tipps

SC Langenhagen

Bange Blicke beim SCL ...

Beim SC Langenhagen ist ein gewaltiger Umbruch noch nicht vollendet. Am Team zur kommenden Runde muss noch kräftig gebastelt werden. Wer hatte schon vor dieser Saison so richtig mit dem niedersächsischen Oberligisten SC Langenhagen gerechnet? Wohl nur die allerwenigsten.
Blättert man den Kalender bis zum Juli 2011 zurück, sah man beim Ramlinger Porta-Pokal, einem der wichtigsten Vorbereitungsturniere der hoch spielenden Amateurklubs der Region Hannover, noch etliche Testspieler in den Reihen der Flughafenstädter, während andere Vereine ihre Mannschaften schon längst beisammen hatten. Zwar wurde der Etat zur abgelaufenen Saison 2011/12 gekürzt, dennoch schafften es der scheidende SCL-Coach Hilger Wirtz-von Elmendorff, Co-Trainer Holger Gehrmann und Ligaobmann Wolfgang Lange eine schlagkräftige Truppe auf die Beine zu stellen.

Nachdem der erste Auftritt in der Oberliga mit dem 0:5 beim BSV Rehden ordentlich in die Hose ging, berappelten sich die Langenhagener zusehends und tauchten schon bald in den vorderen Gefilden des Oberligatableaus auf. Es lief sportlich nahezu wie am Schnürchen – doch hinter den Kulissen brauten sich langsam dunkle Cumuluswolken zusammen, die sich am 12. März mit Blitz und lautem Donner entladen sollten. Es krachte mächtig im Vereinsgebälk, Trainer Wirtz-von Elmendorff, Co-Trainer Gehrmann und Ligaobmann Lange wurden zum Rapport bestellt und kurzerhand des Feldes verwiesen. Der Verein gehe fortan andere Wege, gab Michael Kauke, neuer Leiter der Sparte Fußball, zu verstehen – und das, obwohl der SCL drauf und dran war sich einen der Aufstiegsplätze zur neuen Regionalliga Nord zu sichern.

Was war passiert?  Ein wenig Aufklärung findet sich im nachfolgenden Interview mit dem geschassten Wolfgang Lange, der parallel als Sprecher der Oberligavereine fungiert und dessen Erfahrung und Dienste mittlerweile die Verantwortlichen des Regionalligisten TSV Havelse zu schätzen und zu nutzen wissen.

Auch nachdem sich die Gewitterwolken so langsam verzogen zu haben schienen, war das Unverständnis auf Seiten der Mannschaft immer noch allgegenwärtig. Michael Kauke war bei den Aktiven weitestgehend unbekannt, das entlassene Trio hingegen beliebt, und zu allem Überfluss fuhr der Verein in diesen Tagen keine klare Linie. Mal war man wieder bereit, noch einmal mit Hilger Wirtz-von Elmendorff zu sprechen, dann gab es eine erneute Kehrtwende. Und schon bald sollte feststehen, was die Gerüchteküche schon seit geraumer Zeit auf dem Speisezettel hatte: Mit Stefan Gehrke übernimmt zur neuen Serie 2012/13 ein alter Bekannter beim SCL das Ruder. Fußballlehrer Gehrke, zuletzt mit Co-Trainer Aleksander Lazic beim Landesligisten TSV Fortuna/Sachsenroß an der Seitenlinie, saß schon einmal auf dem Langenhagener Herren-Trainerstuhl und hatte zuvor bereits die U19 gecoacht, mit der er nur knapp den Aufstieg in die A-Jugendbundesliga verpasst hatte.
Der enttäuschte Wirtz, der mittlerweile zur kommenden Saison beim Landesligisten OSV Hannover angeheuert hat und mit Danyal Emektas, Michael Habryka, Dennis Vorreiter, Michael Kiefer und Yilmaz Dag eine ganze Reihe SCL-Spieler im Reisegepäck verschnürt hat, entschloss sich trotz der Querelen bei den Flughafenanrainern im Regionalliga-Aufstiegsrennen noch einmal Gas zu geben – doch es sollte nicht mehr reichen. Zu wenige Punkte konnten nach den Langenhagener Chaostagen eingefahren werden, am Ende trudelte der SCL auf Platz zehn über die Ziellinie und musste mit ansehen, wie Holthausen/Biene den Relegationsplatz erklomm.

Nachdem sich in der Gewitterphase der Verein lange unter einer schützenden Buche versteckt zu haben schien und nichts Offizielles verkündete, luden die Verantwortlichen Mitte April Presse, Sponsoren, SCL-Freunde und auch die Spieler zu einer Informationsveranstaltung, auf welcher das Konzept für die Zukunft erläutert und das neue, alte Trainergespann Gehrke/Lazic vorgestellt werden sollte. Neben dem Capitano und Torsteher der Oberligamannschaft, Alexander Dlugajczyk, waren knapp 50 Personen vor Ort, die sich von Neu-Manager Holger Kunze, Abteilungsleiter Michael Kauke und dem 1. Vorsitzenden Christian Schneider folgende Eckpfeiler an die Hand geben ließen: Neugründung eines Clubs 200 x 200 (je 100 Euro Jahresbeitrag wandern in die 1. Herren und die Jugendabteilung), engere Verzahnung zwischen Herren- und Jugendbereich, weitere Kürzung der finanziellen Mittel für die Herren aus dem spartenreichen Hauptverein, Wiedereinführung einer zweiten Herrenmannschaft.

In diesen Tagen müssen sich die SCL-Macher jedoch erst einmal intensiv bemühen, überhaupt eine erste Herrenmannschaft zusammenzustellen, bevor man an eine zweite denkt. Nach Kenntnis der Redaktion hatte bis auf Keeper „Gecko“ Dlugajczyk entgegen zwischenzeitlich anders lautender Meldungen des Vereins bei Drucklegung dieser nordvier-Ausgabe noch kein Spieler des aktuellen Teams eindeutig signalisiert, sich auch ab dem 1. Juli das Trikot der Langenhagener Löwen überzustreifen – und auch bei den nachrückenden A-Jugendlichen bestehen zum Teil Zweifel, ob sie bei ihrem aktuellen Klub in den Herrenbereich einsteigen wollen. Hört man auf dem weitläufigen Vereinsgelände bei entsprechender Windrichtung mitunter neben Flugzeuglärm auch das Hufegeklapper der Galopper auf der benachbarten Bult, können die trappelnden Geräusche derzeit auch von Fußballspielern herrühren, die den Klub eiligst verlassen wollen oder bereits verlassen haben. Neben den zuvor genannten „OSV-Flüchtlingen“ zieht es z. B. Sevkan Bulut zu RSE-Trainer Kurt Becker nach Ramlingen, Torben Deppe hat beim TSV Havelse unterschrieben, Björn Lambach wird mit dem TuS Celle FC in Verbindung gebracht, wo zur kommenden Serie auch Hakan Toku die Schuhe schnüren wird. Matthias Braczkowski liebäugelt mit dem TSV Havelse und dem FC St. Pauli II, „Charly“ Tunc ist bei Wacker Nordhausen im Gespräch, und Georg „Schorse“ Schwarz befindet sich ebenfalls auf dem Abflug. Und zu allem Überfluss zieht es auch den erfolgreichen U19-Coach Marko Orsolic in die Ferne, er übernimmt zur kommenden Serie das Co-Traineramt neben Alexander Kiene beim SV Arminia Hannover.
Derweil macht bei den anderen Vereinen der Region trotz der feststehenden Zugänge Sotirios Panagiotidis (vom OSV Hannover), Matthias Wörner (Ramlingen-Ehlershausen), Johann Ehrentraut (TuS Wettbergen) und Timo Gieseking (TSV Havelse U19) die Floskel von „Auflösungserscheinungen“ die Runde. Trotz des derzeit durchaus angebrachten Pessimismus scheint dies jedoch verfrüht – auch wenn der Klub das Auflösen anhand seines aktuellen Wappens schon einmal zu üben scheint; auf der Infoveranstaltung wurde mitgeteilt, dass eine neue Logo-Variante die Verbundenheit zur Stadt Langenhagen ausdrücken solle, wie Manager Kunze erläuterte.

Und die nahe sportliche Zukunft? Zwar wurden die finanziellen Mittel für die Oberliga-Kicker erneut reduziert, doch noch sind es ja ein paar Wochen bis zum Start des Porta-Pokals 2012. Und blättern wir den Kalender noch einmal einige Monate zurück ...     Nils Hagenah  01.06.2012 / Heft Nummer 19

« zurück
  © 2017 nordvier.de | Alle Rechte vorbehalten.