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1. FC Germania Egestorf/Langreder

Der 1. FC Germania betritt Neuland

Wer über den 1. FC Germania Egestorf/Langreder berichten will, kommt nicht drumherum sich mit der Stadt Barsinghausen zu befassen. Barsinghausen ist wohl den meisten norddeutschen Fußballfans als Sitz des Niedersächsischen Fußballverbandes bekannt. Auch der örtliche Bezirksligist TSV Barsinghausen, der regelmäßig an der Tür zur Landesliga klopft, wird manchem noch ein Begriff sein. Aber Egestorf oder gar Langreder sind außerhalb des Calenberger Landes eher unbekannte Dörfer. Genauer gesagt sind es Stadtteile von Barsinghausen, deren Kernstadt selbst gute 14.500 Einwohner besitzt und der etliche Ortschaften angegliedert sind. Und so wie sprichwörtlich in fast jedem Dorf eine Kirche steht, lässt sich nun auch im „Stadtteil“ Kirchdorf mit etwa 2.000 Einwohnern oder im Stadtteil Bantorf mit seinen 1.200 Einwohnern ein Fußballverein finden.

Was auf der einen Seite viele Derbys bedeutet, die das Herz eines jeden Fußballfans höher schlagen lassen, heißt es für die Vereine zu buhlen um die begrenzten lokalen Ressourcen, seien es Spieler oder seien es Sponsoren. Unter anderem auch, um Kräfte zu bündeln, fusionierten im Juli 2001 die Fußballabteilungen des TSV Egestorf und des TSV Langreder zum 1. FC Germania Egestorf/Langreder, der schon 2010 kurz vor dem Aufstieg in die Oberliga stand, aber letztlich als Vizemeister hinter dem SV Arminia Hannover ins Ziel einlief. Schon in jener Saison stellten die Germanen mit 30 Gegentoren die sicherste Abwehr.

Acht Jahre nach der Fusion, im Sommer 2009, trafen die Deisterdörfler mit der Verpflichtung von Spielertrainer Markus Küpper eine wegweisende Entscheidung. Mit Küpper, der von Juli 1999 bis Januar 2001 bei Eintracht Braunschweig in der Innenverteidigung kickte, kam der Erfolg an die Ammerke. Der 35-jährige Mediziner reiht sich in die junge Tradition von ehemaligen Profispielern ein, die das Germanen-Trikot überstreiften. Darunter fällt zum Beispiel der ehemalige bulgarische U21-Nationalspieler Georgi Tutundjiev (PFK Lokomotiw Plowdiw), der bis zur Winterpause 2011/12 die zweite Mannschaft der Calenberger trainierte.

Nach der Amtsübernahme 2008 galt das Augenmerk Küppers vornehmlich der Defensive, die der Spielertrainer personell gezielt verstärkte und die zuletzt zu den sichersten der Landesliga gehörte. Dass in den vergangenen drei Jahren die Mannschaft „von hinten nach vorne“ aufgebaut wurde, empfindet auch der zweite Coach Jan „Zimbo“ Zimmermann, der im vergangenen Sommer vom Regionalligisten TSV Havelse zurück zu seinem Jugendverein wechselte und fortan neben Küpper ein Trainer-Duo bilden sollte. „Wir haben in dieser Saison viel Wert auf die Offensive gelegt und den sicheren Defensivverbund weiter nach vorne verschoben“, so Angreifer Zimmermann zum erfolgreichen „Meister-Konzept“ der Trainer.

Die Abwehrarbeit ist bei allem neuen Offensivdrang dabei keineswegs vernachlässigt worden. Mit nur 29 Gegentoren nach dem letzten Spieltag stellen die Germanen den stabilsten Beton in der Landesliga Hannover. Genau 100 erzielte Tore offenbaren, dass die Offensivbemühungen des Trainertandems Küpper/Zimmermann gefruchtet haben. Und es wäre wohl noch der eine oder andere Treffer hinzugekommen, hätte sich der ehemalige Profi Zimmermann nicht das Kreuzband gerissen. Aber auch ohne ihren „Offensivtrainer“ auf dem Raseneck verpflichtete der Verein im letzten Sommer genügend Sturmpotenzial: So schoss allein Thorben Schierholz, der vom Bezirksligisten MTV Ilten an die Ammerke wechselte, 30 Treffer und schnappte sich die Torjägerkrone im Bezirk Hannover. „Das Potenzial von Thorben hat Markus Küpper schon vor zwei Jahren entdeckt, und er war sich schon damals sicher, dass da noch jede Menge Luft nach oben ist,“ so Zimmermann über den Torjäger. Ebenfalls im Sommer wurde Sebastian Bönig vom diesjährigen Bezirksligameister SV 06 Holzminden verpflichtet, der immerhin schon 18 Mal die gegnerische Bude traf.  „In der Mannschaft schlummert noch einiges“, ist sich Zimmermann sicher. Sie ist „hungrig“ und wird im Kern auch in der Oberliga zusammenbleiben. Auch die beiden Spielertrainer wollen ihre Schuhe noch nicht an den Nagel hängen und ihren „Jungs“ mit Erfahrung zur Seite stehen. Dem zwischenzeitlichen Gerücht, dass der Verein an der Verpflichtung von Ex-96-Profi und Publikumsliebling Babacar N‘Diaye arbeiten würde, wies der Trainer hingegen ins Land der Fabeln zurück. Zwar kennen sich beide aus der gemeinsamen Zeit beim TSV Havelse, aber „Baba“ werde nicht an die Ammerke wechseln, versichert Zimmermann – „das wäre nicht der Weg, den wir eingeschlagen haben“. Kurz vor Saisonende standen aber schon zwei Zugänge fest: Ferit Tarak (Union Stadthagen) und Joschua Siegert (A-Jugend Basche United) werden in der kommenden Serie das Germanen-Trikot überstreifen.

Als sich die FC-Kicker, denen von manchem Nachbarn immer mal wieder eine zu große Nähe zum Verband vorgehalten wird, auch nach der Winterpause kaum eine Blöße gaben und an ihren Erfolg aus der Hinrunde nahtlos anknüpften, machte im Calenberger Land ein weiteres Gerücht die Runde: Bei einem Aufstieg in die Oberliga würde der Verein im August-Wenzel-Stadion zu Barsinghausen spielen, da weder die Spielstätte in Langreder, noch der A-Platz in Egestorf den Oberliga-Anforderungen genügten. Coach Jan Zimmermann wiegelt das Umzugsthema auf Nachfrage aber postwendend ab: „Es handelt sich nur um ein Gerücht, das aufgrund der Ehrenpräsidentschaft von Herrn Rothmund beim 1. FC aufkeimte. Ein Umzug kam für den Verein aber niemals in Frage und war auch zu keinem Zeitpunkt ein Thema“.

Letztlich waren es die Spieler selbst, die den Vermutungen ein Ende setzten. „Tribünenbau mit Eigenleistung“ lautet das Motto der Stunde. Unter der Feder- oder besser gesagt Spatenführung der Mannschaft packen die Spieler und Vereinsmitglieder kräftig beim Bau einer 200 Zuschauer fassenden überdachten Tribüne mit an, die je 100 Sitz- und 100 Stehplatze bieten soll und mit gut 50.000 Euro Investitionskosten zu Buche schlägt. Auch beim Bau des mit 360.000 Euro veranschlagten Kunstrasenplatzes kann Germania auf die tatkräftige Unterstützung seiner Vereinsmitglieder zählen. „Für die strukturelle Weiterentwicklung ist der Kunstrasenplatz eine Notwendigkeit und stellt für unseren jungen Klub einen Quantensprung dar“, so Zimmermann zu den Bautätigkeiten an der Ammerke.

Und zum Schluss noch ein Gerücht, welches dann auch einmal den Tatsachen entspricht: Damit auch alle Spieler zukünftig pünktlich zum Training und bei den Baumaßnahmen erscheinen, schenkte Vereinsmitglied Karl Rothmund allen Oberligaaufsteigern auf der Meisterfeier eine Armbanduhr ...      Thorsten Schmidt  01.06.2012 / Heft Nummer 19

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