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Brinkumer SV

Paradigmenwechsel beim Brinkumer SV

Im Sommer 2005 war im Stuhrer Stadtteil Brinkum die Welt in bester Ordnung: Der Brinkumer SV erspielte sich in der Saison 2004/05 satte 72 Punkte und holte den Vizemeistermeistertitel in der Bremen-Liga. Da der Bremer Meister SC Weyhe auf den Aufstieg in die Oberliga Nord verzichtete, stiegen die Stuhrer gar noch auf. Das Abenteuer Oberliga endete letztlich jedoch recht unrühmlich mit dem direkten Wiederabstieg als Tabellenletzter, doch für Brinkum war es der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte. In den folgenden Spielzeiten spielten die Blau-Weißen regelmäßig in der Spitzengruppe der Bremen-Liga mit, errangen 2009 die Meisterschaft, verzichteten aber auf den Aufstieg in die damalige Regionalliga.

Nach einem vierten Platz 2010 erfolgte im Sommer hiernach der große personelle Umbruch beim BSV. Brinkums Manager Frank Kunzendorf, selbst im Sommer nach Stuhr gewechselt, erinnert sich: „Fast die komplette Mannschaft und unser Trainer wechselten im Sommer zum Bremer SV. Ich stand kurze Zeit eigentlich ohne Mannschaft und Trainer da.“ Zudem hatten zwischenzeitlich einige Sponsoren ihr Engagement bei den Blau-Weißen zurückgefahren, was die Arbeit des Neumanagers nochmals erschwerte. Zusammen mit dem ebenfalls neu verpflichteten Trainer Holger Zander läutete Kunzendorf einen Paradigmenwechsel im Verein ein: Aus jungen Spielern sollte perspektivisch eine schlagkräftige Mannschaft geformt werden. „Wir wollten weg von jeglicher Söldnermentalität und die Spieler wieder mehr an den Verein binden“, so Kunzendorf.
Ein neues Team startete ins Ungewisse; für 13 (!) Spieler war es ihr erstes Herrenjahr. Doch trotz eines erfolgreichen Saisonstarts mit drei Siegen aus den ersten vier Begegnungen passte es nicht zwischen Mannschaft und Trainer. Mit zunehmender Saisondauer sank die Harmonie-Kurve weiter, so dass sich Verein und Trainer schon in der Winterpause wieder trennten. Der bisherige Co-Trainer Florian Leschnik übernahm das Trainerzepter und reichte es noch vor Rückrundenbeginn an Coach Nummer drei, Jörg Bender, weiter. Bender, der bisher die A-Jugend der Stuhrer trainierte, übernahm bis Saisonende beide Trainer-Posten in Personalunion.

Für die abgelaufene Saison verpflichtete BSV-Manager Frank Kunzendorf mit Frank Thinius einen „alten“ Brinkumer, der den Verein als Spieler und Trainer sehr gut kennt. Unter Thinius gab es einen erneuten personellen Schnitt. Eine komplette Elf ging und 14 Spieler, darunter erneut etliche A-Jugendliche, wurden verpflichtet. Erneut startete der Bremenligist ins Ungewisse. Und prompt – vor allem im Gegensatz zur letzten Saison – stellte sich eine Ergebniskrise ein. Der Aufgalopp ging, gegen zugegebenermaßen schwere Gegner wie den Meister Oberneuland oder Werder III, mit fünf Niederlagen und einem Unentschieden aus den ersten sechs Spielen zünftig in Hose. Die Stuhrer hielten sich mit dem vierzehnten Tabellenplatz nur knapp über dem Strich, der zwischen Klassenerhalt oder Abstieg entscheidet. „Wir haben in dieser schwierigen Phase immer die Ruhe behalten und waren von der Qualität der Spieler überzeugt. Vor allem harmonierte die Mannschaft mit dem Trainer“, erinnert sich Manager Kunzendorf an den Saisonbeginn. Nach dem misslungenen Start harmonierten die Thinius-Mannen mit zunehmender Saisondauer auch auf dem Raseneck immer besser und überwinterten nach 17 Spieltagen auf dem neunten Tabellenplatz und im Bremer Landespokal.

Dank eines fulminanten Starts in die Rückrunde – die Blau-Weißen blieben von Mitte März bis Ende April ungeschlagen und sammelten zwölf Punkte ein – entledigten sich die Stuhrer jeglicher Abstiegssorgen. Kurz vor Saisonende zieht Kunzendorf deshalb auch ein versöhnliches Resümee: „Wir wollten irgendwo im Mittelfeld landen. Die Mannschaft, die einen Altersdurchschnitt von gut 20 Jahren hat, sollte sich weiterentwickeln. Ich denke, das ist dem Trainerteam auch gelungen.“ Besonders vom Innenverteidigerpärchen zeigt sich Kunzendorf angetan. Auf Esin Demirkapi (Jahrgang 1992) und Tom Witte (Jahrgang 1993) haben etliche Bremenligisten ein Auge geworfen; dennoch hofft der Manager beide im Sommer halten zu können. Der Saisonhöhepunkt steht noch aus: Mit einem 2:0-Sieg über den Blumenthaler SV erreichten die Blau-Weißen das Pokalfinale. Dort wartet am 16. Juni Meister FC Oberneuland. „Der Gewinn des Pokals wäre wie ein Lottogewinn für uns“, sagt Manager Kunzendorf schmunzelnd.
Für die Zukunft plant der Verein, auf die eigene Jugend und auf Spieler aus dem Umland zu setzen. „Es ist für junge Spieler immer schwierig durch ganz Bremen zum Training zu pendeln“, gibt Kunzendorf an und führt aus, dass „die jetzige Mannschaft im Kern zusammen bleiben wird.“

Zumeist verfügen Vereine, die auf die eigene Jugend setzen, über einen breiten Unterbau an Mannschaften. Nicht so der Brinkumer SV. Ein erfolgreiche A-Jugend und eine B-Jugend bilden den Kern des Unterbaus. Für die kommende Spielzeit soll immerhin wieder ein C-Jugend aufgeboten werde. Damit will man den zunehmenden Schwierigkeiten, jedes Jahr erneut B-Jugendliche von anderen Vereinen zu verpflichten, entgegenwirken und die Spieler früher an den Verein binden, was zu eine gesteigerten Identifikation führen soll. Große Hoffnungen setzt der Brinkumer SV dabei in seinen Nachbarn FTSV Jahn Brinkum, mit dem sich die Blau-Weißen die Anlage am Sportplatz Brunneweg teilt.
 
Fusion mit Jahn
 
Der Freie Turn- und Sportverein Jahn verfügt über gut 2.000 Mitglieder, aber über keine Fußballabteilung. Als diese würde sich der BSV einbringen, so der Plan. Die Gespräche sind schon weit gediehen, und Brinkums Manager Frank Kunzendorf geht davon, dass „schon im August 2012 die Fusion erfolgt sein wird.“ Der Bremer Fußballverband hat dem Vorhaben schon seinen Segen erteilt. Auch bei den entscheidenden Mitgliederversammlungen beider Vereine wird von einer Zustimmung ausgegangen, sodass der interessierte Fußballfan in der kommenden Saison vergeblich nach dem Brinkumer SV in der Bremenliga-Tabelle suchen wird – aber wie der geneigte nordvier-Leser dann schon weiß: Hinter Jahn Brinkum verbirgt sich der „alte“ Brinkumer SV.    Thorsten Schmidt  01.06.2012 / Heft Nummer 19

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