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SV Arminia Hannover

Pleitegeier landet in Bischofshol

Oh, oh, Arminia. Hatte erst vor kurzem das Trainergespann Hilger Wirtz-von Elmendorff und Holger Kunze die Verträge für ein weiteres Jahr verlängert, was als entscheidender Schritt für die Vertragsverhandlungen mit den Spielern gewertet werden konnte, kam es ein paar Tage darauf richtig Dicke.
Am 11. Mai veröffentlichte der norddeutsche Fußballverband die Entscheidung zur Lizenzvergabe der Oberliga Nord. Arminia bekam keine Lizenz. Irgendwie war man beim Bischofsholer Traditionsklub schon immer auf so eine Nachricht vorbereitet, doch nun kam sie doch für viele wie aus heiterem Himmel. Der doppelte Obmann Wolfgang Lange war über die Art und Weise sauer: „Ein Unding, dass auf der Homepage des Verbands der Lizenzentzug veröffentlicht wurde, wir aber zuvor gar nicht darüber informiert wurden.“ In der Tat hielt man bei den Grün-Weiß-Grünen bis einige Tage danach nichts Schriftliches in Händen.

Trotz der aus sportlicher und finanzieller Sicht mehr als schwierigen Situation des Klubs kämpften die Blauen zwei Tage nach dem Schock den SV Meppen mit 4:1 nieder. Wie so oft, wenn es eigentlich nur noch theoretische Chancen auf den Klassenerhalt gab, spielte die Mannschaft frei auf und zeigte, wozu sie tatsächlich in der Lage ist.
Wiederum zwei Tage später dann die nächste Hiobsbotschaft: am 15. Mai beantragte der Verein Insolvenz. Laut Präsident Jürgen Scholz war der vorherige Lizenzentzug lediglich das i-Tüpfelchen zu diesem Schritt, aber beileibe nicht ausschlaggebend. Gespräche mit den Hauptgläubigern, in erster Linie mit der Krankenkasse AOK ergaben, dass man sich auf dem Wege eines Vergleichs wohl nicht mehr würde einigen können. Nun obliegt es dem vorläufigen Insolvenzverwalter Dr. Rainer Eckardt aus Hannover, den Gläubigern eine gute Quote als Vergleich anbieten zu können, um den Verein vor dem Aus zu bewahren.

Die Schulden sind dabei immens. Wie sich einige Tage später herausstellen sollte, belaufen sich die Verbindlichkeiten aktuell auf geschätzte 900.000 Euro, die vorwiegend aus der Zeit des Profitums stammen. Die stolze Summe von ca. 230.000 Euro entfällt dabei auf die AOK.
In welcher Liga es für den Klub weiter geht, ist derzeit noch nicht absehbar. Die Lizenzunterlagen für die Niedersachsenliga sind jedoch bereits eingereicht und Jürgen Scholz geht auch davon aus, dass der Spielbetrieb in dieser Liga finanzierbar ist. „Unsere Liquidität reicht jedoch nicht, alte und neue Verbindlichkeiten gleichzeitig abzudecken“, sagt Scholz.
Falls es aber auch mit der Niedersachsenliga, deren Lizenzanforderungen bis auf den Punkt Fahrtkosten denen zur Oberliga recht nahe kommen, nichts werden sollte, könnte der Verein auch in die Bezirksoberliga fallen, die dann um einen weiteren Teilnahmeplatz aufgestockt werden würde. Oder der schlimmste Fall: das Insolvenzverfahren wird eröffnet, da es keine Vorab-Einigung mit den Gläubigern gibt. Davon ist leider wohl auszugehen. Kommt es dann im Verfahren selbst ebenfalls zu keiner Einigung, stünde an dessen Ende die Liquidation des Namens „SV Arminia Hannover von 1910 e.V.“ aus dem Vereinsregister. Göttingen 05 kann ein Lied davon singen. Doch soweit darf es natürlich auch nach Meinung von Scholz nicht kommen. „Im Vordergrund steht die Entschuldung des Vereins unter dem bestehenden Namen. Dies ist im Übrigen ja auch der eigentliche Sinn eines Insolvenzverfahrens“, sagt Scholz, der damit auf die Bedeutung des Wortes Insolvenz in der deutschen Übersetzung anspielt. Der begriff „Insolvenz“ kommt aus dem Lateinischen von „solvere“ und bedeutet „auflösen“, „eine Schuld abtragen“.
Ungeachtet dessen läuft die Mannschaft, die seit geraumer Zeit keine Aufwandsentschädigungen mehr erhalten hat, derzeit zur Höchstform auf. 4:1 gegen Meppen, unglücklich 2:3 beim heimstarken Team des FC Oberneuland verloren und am letzten Spieltag wurde das Tabellenschlusslicht SV Ramlingen/Ehlershausen mit 3:1 nach Hause geschickt. Das Ergebnis gegen die Becker-Buben hätte bei besserer Chancenverwertung dabei sogar zweistellig ausgehen müssen.

Und wie geht es nun weiter im Rudolf-Kalweit-Stadion? „Die Vertragsverhandlungen sind natürlich vorerst auf Eis gelegt“, sagt Scholz, so dass die Mannschaft derzeit genau aus Null Spielern besteht. Auch die als erste Neuzugänge vermeldeten Spieler Marcel Kattenhorn und Daniel Trochymiuk suchten schnell wieder das Weite und verlängerten bei ihrem bisherigen Klub SV Ramlingen/Ehlershausen für ein weiteres Jahr in der Niedersachsenliga.
Hilger Wirtz dagegen möchte trotz der aktuellen Misere bleiben, denn er sieht Arminia immer noch als einen Traditionsverein, der eine andere Nummer sei, als viele sportlich gleichgestellte Vereine. Seinen Ruf aber möchte er sich natürlich auch nicht kaputt machen –  will heißen, wenn keine Mannschaft auf die Beine gestellt werden kann, die in der 5. Liga einigermaßen konkurrenzfähig ist, wird wohl auch er sein Trainerdasein beim SVA in Frage stellen. Und auch die Spieler warten ab. Es gibt zwar Gerüchte über einige Rückkehrer zum Verein, aber bislang sind dies alles nur Gerüchte und Vermutungen. In der Stadionzeitung wird parallel für Spielerpatenschaften geworben, um die Aufwandsentschädigungen direkt über Sponsoren an die Spieler zahlen zu können. Dem Verein sind in dieser Hinsicht ja derzeit die Hände gebunden. Positive Signale in dieser Richtung gibt es zwar bereits, doch warten natürlich auch die Kicker ab, was für eine Mannschaft für die kommende Serie aufs Feld geschickt werden kann.

Ein Benefizspiel gegen Hannover 96 wurde zur Auffüllung des Insolvenzsäckels bereits von Seiten der Roten zugesagt, um die „Marke Arminia“, wie Martin Kind es nennt, erhalten zu können. Und auch die Stadt und Region haben ihre Unterstützung zugesagt, in welcher Form auch immer. Und der Präsident? Jürgen Scholz hegt bereits seit längerem Kontakte in Richtung Südafrika. „Es geht um eine logistische Unterstützung des WM-OKs in einem der Spielorte. Aber das passiert nicht in den nächsten Wochen.“ Viele Fragezeichen derzeit also und massig Arbeit.
Das letzte Oberligaspiel – wozu ja auch die Ligenreform beiträgt – ist mittlerweile  gespielt und die Anhänger der Arminia feierten ihren Verein mit grünen Bengalos und permanenter Anfeuerung vom Lahmann-Hügel aus. Zwei Texte passten dabei besonders gut in die aktuelle Situation: „Doch eines Tages werdet ihr blechen, wir werden auf Kosten des Verbandes zechen, dann sind wir ein Klub, der an der Spitze steht. Und dann tut es euch leid, doch dann ist es zu spät, zu spät.“ – „Grün-weiße-Fahne bricht das Sonnenlicht, grün-weiße Farben rufen zum Gericht, grün-weiße Farben werden Sieger sein – sie tragen neue Hoffnung in die Liga rein.“ In welche denn auch immer.  31.05.2007 / Heft Nummer 11

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