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SC Victoria Hamburg

Vicky geht es an!

Bereits zum zehnten Mal fand beim Traditionsverein Victoria Hamburg die Saisoneröffnungs-Fete Hamburgs höchster Spielklasse statt, und bereits zum 52. Mal fanden sich die Kicker von der Hoheluft im Feld der teilnehmenden Klubs. Elfmal holten sie bis dahin die Meisterschaft, in diesem Jahr durfte es dann sogar das Double sein – und das trotz eines im Sommer vollzogenen Umbruchs im Mannschaftsgefüge.
71 Punkte fuhren die Schützlinge des vom Meiendorfer SV gekommenen neuen Trainers Lutz Göttling in dieser Spielzeit ein, stellten mit 36 Gegentreffern die beste Abwehr und zusammen mit den Elstern aus Bergedorf bei 73 Toren den treffsichersten Sturm. Zu allem „Überfluss“ sicherten sich die Blau-Gelben vor knapp 4.500 Zuschauern (!) mit einem 2:1-Finalerfolg über Germania Schnelsen nach 1990, 2007 und 2010 zum vierten Mal den Hamburger Pokal und dürfen somit gespannt sein, welcher Gegner ihnen am 23. Juni für die 1. Hauptrunde des DFB-Pokals zugelost wird.

Nico „Patsche“ Patschinski (35), Ex-Bundesliga-Profi des FC St. Pauli, gekommen in der Winterpause von Borussia Neunkirchen, drehte im Pokalfinale den zwischenzeitlichen 0:1-Rückstand und zeigte sich somit auch außerhalb der Liga treffsicher. Zwölf Mal traf er dort, nur Mittelfeldjuwel Benny Hoose, der bereits frühzeitig bis 2014 verlängerte, brachte das Spielgerät mit 17 Toren noch öfter im gegnerischen Gehäuse unter. Vor allem der Rückrunde war es zu verdanken, dass die Kicker vom Lokstedter Steindamm als Meister nunmehr (wie übrigens auch die zweite Mannschaft) endlich eine Etage nach oben klettern können – jetzt, wo das finanzielle Wagnis überschaubarer geworden ist. Fernab der Tabellenspitze dümpelte die Göttling-Truppe lange im grauen Mittelfeld, ehe in der Rückrunde Sieg um Sieg verbucht werden konnte. Da sieht man mal wieder, welche Magie die Insel Mallorca bei einem Wintertrainingslager zu verstrahlen imstande ist ...
Nach fünf Meisterschaften in den vergangenen sechs Spielzeiten stehen zur kommenden Saison nun also endlich die Zeichen auf Regionalliga! Vicky hat sich in den jüngsten Serien ja auch ordentlich Speck auf die Rippen gefuttert, entschlossen für die 4. Liga gemeldet und geht nun das finanzielle Risiko ein, welches unlängst noch den Nachbarn Altona 93 in arge Bedrängnis gebracht hatte. Die Neustrukturierung der Regionalliga bei kürzeren Fahrten dürfte sicher ihren Teil dazu beigetragen haben, dass die Lizenz ohne langes Zögern beantragt wurde.
In die neue Saison wird es mit einem größtenteils eingespielten Team gehen, die Konturen des Kaders standen laut SCV-Sportchef Ronald Lotz bereits recht früh fest. Dennoch werden mindestens acht Zugänge versuchen den größtenteils zahlungskräftigeren Klubs in der Regio Dampf zu machen: Kutay Keklikci, Rückkehrer David Eybächer (beide St. Pauli II), Torsteher Fabian Lucassen (TSV Havelse), Jakob Sachs (Holstein Kiel), Martin Sobczyk (Bergedorf 85), Marcel Meyer (USC Paloma) stehen fest, zudem kehrt Abdel Abou Khalil vom FC Ingolstadt II an die Hoheluft zurück. Man darf gespannt sein, wer von den „Neuen“ sich vielleicht auch einmal die silberne Verdienstnadel des Vereins ans Revers stecken darf. In diesem Jahr „traf“ es mit Jonah Asante, Jasmin Bajramovic, Florian Ludewig und Sven Trimborn gleich ein Quartett, das in den letzten Jahren satte vier Meisterschaften sowie zwei Pokalsiege feiern durfte.
Die Regionalliga Nord ist sportlich attraktiv, und die Vicky-Anhänger freuen sich auf die neuen Namen in der Liga. Auch wenn man die gemütliche Oberliga Hamburg sicher das eine oder andere Mal vermissen wird ... Und auch die Regionalliga Nord darf sich freuen, mit Victoria Hamburg einen waschechten Hamburger Traditionsklub mit einem prächtigen Stadion in ihren Reihen aufnehmen zu können. Mit im SCV-Gepäck befinden sich übrigens die Anhänger der Fangruppierung Nordkaos Hamburg, deren informative Webseite www.nordkaos-hamburg.de dem interessierten Fußballfan hiermit wärmstens ans Herz gelegt sei. Eine kleine Vorstellung von Nordkaos Hamburg, welche sich mit Konsumfußball und Vereinsgefühlen auseinandersetzt, haben wir anbei einfach mal kopiert und abgedruckt.
Veni, Vidi, Vicky!     Nils Hagenah  01.06.2012 / Heft Nummer 19
 

Kopfschütteln. So reagieren die meisten auf unsere Ideen und unsere Gruppe. Sportplätze? Niedere Ligen? Amateurfußball? Absurd! Vollkommen absurd!
Klar klingt das für einige absurd und andere lachen lauthals, weil wir klein sind und ohne wirkliche Chance auf eine stimmungsvolle Kurve vor großen Gegnern. Fantastische Choreografien und ohrenbetäubende Gänsehautgesänge bleiben für uns wohl unerreichbar, doch sehen wir in unserem Schritt auch eine besondere Konsequenz, zu der viele andere, obwohl sie selbst jede Woche erneut spüren, wie der Fußball zu einem verhassten und ungewünschten Wirtschaftsmonstrum mutiert, nicht bereit sind.
Oftmals ist die bedingungslose Liebe zum Verein abgekühlt und distanziert, oftmals überwiegt die Enttäuschung, wenn einmal wieder deutlich wird, dass die Unternehmen, zu denen unsere Clubs heute geworden sind, keinen Unterschied mehr zwischen den wahrhaft Treuen und den sporadischen Kunden sehen.
Und doch, so sehr wir auch die Bedeutung des Erfolgs abstreiten, wir können uns dennoch Fußball ohne dieses Umfeld, ohne die Möglichkeiten und die Chance etwas zu ereichen nicht mehr vorstellen. So sehr wir die reine Effizienzgerichtetheit des Marktes Fußball auch kritisieren, wir sind ihm dennoch so verfangen, dass wir keine Kurve ohne größeren Absatzmarkt für die eigenen Ideen und Anstrengungen gestalten mögen ...
Nordkaos ist eine Gruppe, die sich aus ehemaligen Fans verschiedener größerer Vereine zusammensetzt, die es leid sind, ihre Kritik in leeren Slogans zu propagieren. ‚Gegen den modernen Fußball’ auf Spruchbänder kritzeln und ihn dennoch Woche für Woche konsumieren? Wir wollen keine Kunden mehr sein, also lassen wir die Finger weg vom Produkt! Absurd, ja, wissen wir, aber konsequent!
Für viele mag es unverständlich sein, einen Verein zu wechseln. Es werden pathetische Phrasen von unsterblicher Liebe und Loyalität bis in den Tod bemüht, doch um bei dem Bild von Liebe und Leidenschaft zu bleiben: Gefühle können sich ändern, sie können abkühlen, vergehen und natürlich neu wachsen. Das wissen auch viele andere und sehen ihre Loyalität letztlich nur noch bei der jeweiligen Gruppe, nicht mehr beim Verein. Doch wie ehrlich ist es, bei Toren auf einen Zaun zu klettern, weil es dazu gehört, Fanatismus, Begeisterung und auch Hass zu leben, ohne dass sie noch authentisch sind? Machen wir uns nicht etwas vor – wider besseren Willens, nur der Möglichkeiten wegen oder der eigenen Außendarstellung und der permanenten Angst und Sorge, was Ultra-Deutschland wohl von uns sagen würde? Aber werden wir damit nicht auch zu Opportunisten, reproduzieren wir nicht all das, was wir im Makrokosmos Gesellschaft so anprangern?
Innerhalb unserer Szenen haben wir gelernt, unseren Mikrokosmos Fußball zu hinterfragen und uns kritisch mit den tragenden Mechanismen auseinander zu setzen. Wir haben gelernt, das Gewissen der Maschinerie zu sein, doch wenn wir diesen Gedanken weitertragen, weiter fragen, auch wenn die Antworten unangenehm sind, wo stehen wir dann letztlich? Genau hier, würden wir sagen, auf den Rängen des SC Victoria Hamburg, mit einer traditionsreichen Holztribüne, vielen Ideen, Träumen und unermesslicher Freiheit: Stay real – alles andere als absurd ...
www.nordkaos-hamburg.de

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